Warum Wettbewerbe auf Facebook nicht funktionieren

Die Nutzer Sozialer Medien – nicht nur auf Facebook – sind müde von Euren Wettbewerbchen. Hört auf damit und lasst Euch etwas anderes einfallen.

Provokativ? Dann diskutiere mit mir. Ich freue mich auf die Herausforderung.

Wenn ich mit Freunden und Bekannten über Soziale Medien diskutierte, hörte ich immer wieder, dass auf Facebook, Twitter, usw. mittlerweile soviele Wettbewerbe stattfinden, dass sie langsam genervt sind. Ich wollte dem nachgehen. Wie regelmässige Leser wissen, war ich ja noch nie ein grosser Fan von Wettbewerben, dazu hatte ich schon mal was geschrieben: Warum Sie Fans und Followers nicht belohnen sollten.

Erinnern wir uns zunächst, wieso jemand einen Wettbewerb lanciert. Eine Firma will schlicht Kundendaten. Möglichst konkret, mit Name, Adresse, Email, Telefon. Oder auf Facebook: sie will Fans gewinnen. Oder Followers auf Twitter, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Dann gilt es, den Wettbewerb so auszugestalten, dass er sowohl den lokalen Gesetzen genügt, als auch den Vorschriften der jeweiligen Plattform (ist Facebook da nicht recht mühsam?). Nicht zuletzt muss ich mich absichern, dass nicht betrogen weden kann. Bei einfachen Wettbewerben, ohne grosse Programmierung von Applikationen, nicht einfach.
Genau das wollte ich mit meinem kleinen Wettbewerb versuchen. Der war sicher kein Highlight an Originalität, aber entsprach in etwa dem, was KMU mit beschränkten Budgets mehrheitlich durchführen. Hier ein paar Detials, was passierte:

  • Ich versendete ca. 10 Tweets, in dem ich meinen Wettbewerb ankündigte (keine Details). Diese erhielten etliche Re-Tweets. Prozentual in etwa soviele, wie eine grosse Firma hatte, die zu gleicher Zeit einen Wettbewerb auf Twitter durchführte (ich nenne keine Namen, ich zeige hier nicht mit Fingern auf konkrete Firmen).
  • Diese 10 Tweets lösten in 2 Tagen genau 56 Besuche auf meinem Blog aus. Und das ist überraschend wenig. Meine Blogartikel werden sonst innerhalb der ersten 2 Tage nach Erscheinen von mindestens 100 oder 200 Leuten angeklickt und ereichen Zugriffszahlen von über 500 nach wenigen Tagen.
  • Schlussendlich gab eine einzige Person ihre Stimme ab. Ich diskutierte via Twitter mit ein paar Leuten, die angaben, sie seien durch die Teilnahmebedingungen abgeschreckt worden (wenn doch nur mehr Leute bei grösseren Wettbewerben die Bestimmungen besser durchlesen würden).
  • Ich hatte etliche Bemerkungen von Leuten erhalten, die ihr Unverständnis ausdrückten, dass ich einen Wettbewerb lancierte (die wussten ja nicht von meinen Absichten).

Die Erfahrungen veranlassen mich, folgende Thesen aufzustellen:

  1. Die Nutzer – insbesondere die der Sozialen Medien – sind wettbewerbs-müde und erachten diese zunehmend als nervend.
  2. Kleine Wettbewerbe werden kaum noch beachtet. Wegen 100 Franken rühren die Leute keinen Finger mehr.
  3. Teilnahmebedingungen bei kleinen, eher unbekannten Firmen werden genauer studiert, als bei einer grossen Brand und schrecken Leute von der Teilnahme ab.
  4. Nutzer haben ein gespaltenes Verhältnis dazu, ihre Adressdaten anzugeben. Dazu verweise ich auf eine Diskussion, die durch eine Aktion der UBS gestartet wurde: UBS-Jubiläums-Geschenk als Kundenfang. Interessant sind auch die Kommentare: Kommentare im Forum.

Meine Schlussfolgerung: Wettbewerbe lohnen sich für grössere Firmen, die auch über genügend Budget verfügen (unterschätzt dieses nicht!).

Kleine Firmen verzichten jedoch besser auf Wettbewerbe, um neue Fans oder Followers anzuziehen.

Sie bewegen sich auf den Sozialen Medien in einem Umfeld mit wenigen loyalen Kunden oder Interessenten.

Das Risiko, diese zu verärgern ist grösser, als die Chance, neue Interessenten zu gewinnen.

Wenn diese kleinen Firmen trotzdem einen Wettbewerb lancieren, muss dieser gut geplant und die Erwartungshaltung klar sein.

Was sind denn Alternativen? Ich würde mal gänzlich den Gedanken traditioneller Werbemethoden auf den Plattformen vergessen und anhand einer Wertschöpfungskette alle Berührungspunkte mit einem Kunden (bzw. Gast) untersuchen, ob es nicht bessere Ideen gäbe, die Möglichkeiten Sozialer Medien effektiver und effizienter zu nutzen. Dazu gibt es auf meiner Webseite einige Ansätze: Social Media adwyse GmbH.

Nun los, ich bin gerne bereit, das weiter zu diskutieren. Hierr noch der Link zum Wettbewerb: „Wettbewerb auf juerg’s adwyse„.

________________________

Zu meiner Person:

In 35 Jahren in rund 50 Ländern geschäftlich und privat unterwegs.

Mehr dazu bei LinkedIn (Englisch), Xing (Deutsch), Twitter und Facebook.

Ich coache und berate KMU in den Bereichen

  • Unterrnehmensführung
  • Verkaufsoptimierung
  • Social Media
  • Kulturelle Kompetenz
Advertisements

5 Gedanken zu „Warum Wettbewerbe auf Facebook nicht funktionieren

  1. Ähm, war nicht kürzlich auch ein Wettbewerb auf adwyse ¿ Wie dem auch sei, bin mit Dir einverstanden. Mir gehen Quiz und Wettbewerbe auch auf den… naja… Sack.

  2. Lieber Jürg, als Gewinner Deines Wettbewerbs, nehme ich gerne den Ball noch kurz auf. Warum habe ich mitgemacht? Weil ich den Wettbewerb mit guten Gewissen meinen „Peers“ versenden konnte, als Beweis, habe ich da natürlich auch gerne mitgemacht. ABER, weil ich mich mit Gewinnspielen auch ein wenig auskenne, habe ich den Beweis angetreten, dass natürlich, je weniger Leute mitmachen, je grösser die einzelne Gewinnchance ist. Dies hat sich nun natürlich, bei einer Teilnahme als SEHR richtig erwiesen.

    Ich bin aber auch überzeugt, ich hätte nicht am Wettbewerb mitgemacht, wenn wir zwei nicht schon den einen oder anderen interessanten Austausch gehabt hätten. somit stütze ich Deine These, sage aber allen Wettbewerbsfans, macht da mit wo wenige dabei sind, die Gewinnchancen sind nie grösser….

  3. Lieber Jürg

    Zu diesem Deinen ersten Punkt einige Bemerkungen:

    „Die Nutzer – insbesondere die der Sozialen Medien – sind wettbewerbs-müde und erachten diese zunehmend als nervend.“

    Wahrscheinlich sind viele schon müde; aber es gibt noch andere Punkte, welche für Nutzer abstossend sind:

    1. Die Stupidität vieler (oder gar der meisten) Wettbewerbchen: Bei den Nutzern keine Anstrengung mehr nötig, kein Nachdenken mehr gefragt! Da vermuten viele, dass es alleine um billigste e-Mail-Adressen Sammlerei geht. Blöde sind die Nutzer unterdessen auch nicht mehr!

    2. Wenn es dann noch soweit geht, dass man ein SMS zu 1 Franken (oder wie viel auch immer) schicken muss, dann sagt sich auch jeder: Ich will doch nicht meinen Preis selbst finanzieren – oder sind wohl die Wettbewerbchen die einzigen Einnahmequellen.

    3. Gelangt man dann noch beim Wettbewerb-Machen auf eine Billigwebsite, dann vergeht vielen endgültig die Lust. Jürg, Du siehst selber wie anödend die Präsentationen sind auf Facebook. Noch mehrere Stufen tiefer liegen die meisten Twitter-Werber. Lieblose, verschleiernde Werbung törnt nur ab. Alle paar Tage die gleichen Witzchen reissen, vergiss es.

    4. Also nicht nur Nutzer sind müde und klemmen ab, v.a. auch viele Wettbewerbsmacher sind phantasielos und wollen ohne Aufwand Geld verdienen: Return without investment!

    5. Gerade kleinere Firmen sollten verstehen lernen, dass Werbung auf den SocialMedia Kanälen zwar geldmässig billig zu haben ist, aber extrem teuer wird, wenn man den eigenen Zeitaufwand miteinbezieht. Zeit und IDEEN braucht es aber, wenn man keinen „Namen“ hat und etwas Gescheites machen will.

    Grüsse Ralph

  4. Ralph

    Danke für den Kommentar. Sehe ich da eine übereinstimmende Meinung?
    Ja, die Nutzer sind müde. Es bedarf schon einer ausserordentlichen Idee, um sie noch zu begeistern, mitzumachen.
    Ja, zu viele wollen einfach Geld verdienen und sind selbst auch phantasielos.

    Kleine Firmen haben jedoch kaum die finanziellen Mittel, um sich die guten, ideenreichen Agenturen leisten zu können. Daher war mein Aufruf an Kleinunternehmen: Verzichtet gänzlich auf Wettbewerbe.

    Was ich stattdessen vorschlage, habe ich schon x-mal geschrieben: Die heutigen und bestehenden Kunden besser betreuen, dann kommen auch neue Kunden. Langsam, aber dafür solche, die sich ernsthaft für die Firma interessieren und nicht nur für den Wettbewerb.

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