Das Ende der Anonymität im Netz?

Anonym

Ist Schluss mit der Anonymität im Internet? Anonyme, gehässige Leserbriefe. Cyber-Mobbing.

Habt Ihr Euch auch schon gefragt, was wäre, wenn das Netz nicht anonym wäre? Würden solche negativen Erscheinungen verschwinden? Wie denkt Ihr über Anonymität im Internet?

Es sind 3 Dinge zum Thema „Anonymität“, die mir diese Woche im Kopf hängen blieben:

Ich besuchte eine Veranstaltung zum Thema „Digital Natives“, bei der ein Referent quasi dazu aufrief, auf Facebook anonym mitzumachen, obschon Facebook dies nach seinen Bedingungen nicht zulässt.

Die Ankündigung von Airbnb (Marktplatz, der Reisende mit Vermietern verbindet), dass sie ein Verifikationssystem einführen (Introducing Airbnb Verified ID).

Ein Artikel über Bitcoin (Online Zahlungssystem), der das Ende anonymer Zahlungen voraussagt – nicht zuletzt auf Grund eines Vorfalls von Geldwäscherei (Black-hat bitcoin’s days are numbered).

Grundsätzlich sollte es möglich sein, sich im Netz anonym zu bewegen. Ich trage auch kein Namensschild, wenn ich mich in der Öffentlichkeit bewege. Mit den eingangs erwähnten negativen Auswirkungen von namenlosen Hetzern und Rüppeln müssen wir wohl leben.

Und doch, sind wir nicht gerade daran, diese Anonymität aufzuheben? Schrittweise?

Wir nutzen immer mehr Services über das Internet. Immer mehr Firmen verlangen eine Identifikation, wie eben Facebook, Airbnb, in Zukunft wohl auch Bitcoin. Die Liste der Firmen dürfte noch zunehmen, bei denen wir uns „ausweisen“ müssen.

Was denkt Ihr? Wird das anonyme Internet Bestand haben oder lösen wir das schrittweise auf – bewusst oder unbewusst – und werden zur transparenten Gesellschaft?

Ist diese Frage überhaupt relevant, wenn 82% der erwachsenen Online-Nutzer ein öffentliches Profil haben? (Transparency vs. Anonymity).

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9 Gedanken zu „Das Ende der Anonymität im Netz?

  1. Ich glaube, es war etwa 2007. Da bin ich auf ein Portal gestoßen, das mir nach ein paar Berechnungen gesagt hat, wer ich bin. Ich brauche vermutlich kaum zu erwähnen, dass es Recht hatte.

    Seit damals halte ich Anonymität im Netz für eine gut gepflegte Illusion. Wer sich im Web bewegt hinterlässt Spuren, aufgrund derer er identifiziert werden kann.

    Manch einer, der im Internet anonym bleiben möchte, hat ’ne Payback-Karte in seiner Geldbörse …

    Auf XING habe ich übrigens immer wieder Diskussionen erlebt, die sich im Ton und in der Sache schon jenseits legaler Grenzen befanden. Es scheint also nicht nur die (scheinbare) Anonymität Leute dazu zu bewegen, ihren Frust ungezügelt herauszulassen.

    • Ich kann Heiner’s XING-Erfahrung bestätigen, und zwar in mehr als einem Forum. Ein Grund, weshalb ich nur mehr sehr selten in Foren mitschreibe.

      Lieben Gruss zur Nacht und schöne Pfingsten,
      Romi

      • Danke, Romi,
        Wenn der Ton also auch bei Plattformen mit Realnamen jenseits von Gut und Böse wird, muss man dann von einer Verrohung der Umgangsformen sprechen?
        Gruss
        Jürg

  2. Danke, Heiner, für den Kommentar.

    Interessant, was Du zu Xing sagst. Ich hatte dort noch nie solche Diskussionen erlebt. Muss mich wohl mehr achten.

    Bezüglich Anonymität: Ja, wenn jemand einen bestimmten Aufwand betreibt, ist eine Identifikation gut möglich. Meine Frage würde ich daher präzisieren: Es geht eher um die Klarnamenpflicht, wie sie eben von Facebook, Airbnb und allenfalls Bitcoin gefordert wird.

    Gruss und schöne Pfingsten.
    Jürg

    • Danke, Roman. Insofern kann ich meinen gewählten Begriff anpassen, das wird auch Heiner Tenz gefallen. Nein, anonym im Sinne von „unauffindbar“ sind wir nicht. Der Begriff Pseudonym beschreibt besser, was ich meine: Keine Klarnamen.

      Der Artikel ist interessant, aber für mich hat er zwei Fehler:

      Der Autor qualifiziert Leute in einer unpassenden Weise: „Die gute Dame…“ oder „Dazu der etwas geistreichere Tweet von…“.

      Die Diskussion kommt mir nicht als solche vor, sondern als Rechthaberei seitens des Autors.

      Das mag andern Leuten nicht so erscheinen, für mich aber sieht es so aus und würde mich von weiteren Diskussionen abhalten.

      Ich frage mich eh, ob Blogs oder andere schriftliche Kanäle geeignet sind, um Diskussionen zu führen. Fruchtbare Diskussionen haben sehr viel mit Verstehen zu tun und Verstehen wiederum mit Fragen. Wer aber fragt schon auf einem Blog um zu verstehen? In der Regel wird einfach seine Meinung postuliert und damit hat sich’s. Aber das ist ein anderes Thema. Wobei auch ein für Euch interessantes, Ihr habe ja auch einen Blog, oder? Willst Du das Thema aufgreifen?

      Liebe Grüsse
      Jürg

      • Es geht nicht (nur) um Rechthaberei, sondern um die Darstellung meiner persönlichen Meinung. Dass ich mich etwas salopp bzw. rechthaberisch ausgedrückt habe, das ist halt „künstlerische Freiheit“. Wer nicht damit umgehen kann oder sich angegriffen fühlt, muss halt weitergehen, das ist so.

      • Danke für den Post, wnstnsmth.

        Zunächst mal: Ich bin weiter gegangen, ich habe meinen Kommentar auf meinem Blog veröffentlicht, nicht auf Ihrem.

        Und halten wir doch Gegenrecht: Ich habe genauso meine persönliche Meinung kundgetan, nicht anderes.

        Mit freundlichen Grüssen
        Jürg Wyss

  3. Und übrigens, punkto Verstehen und Verstanden werden.. ich denke, wenn man sich die Kommentarspalte ansieht, merkt man schon, dass es mir und anderen Kommentarschreibern schliesslich schon darum ging, gegenseitiges Verständnis aufzubringen. Nur so am Rande.

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